Davos. Friedrich Merz (CDU) sieht die alte, von den USA geprägte Weltordnung in Auflösung. „Wir sind in ein Zeitalter der Großmachtpolitik eingetreten“, sagte der Bundeskanzler in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Diese neue Welt der Großmächte wird errichtet auf Macht, auf Stärke und, wenn es darauf ankommt, auf Gewalt“, so Merz.
„Machen wir uns aber auch klar: Dieser Welt sind wir nicht ausgeliefert. Wir können sie gestalten“, sagte Merz und richtete einen fast schon dramatischen Appell an die versammelte Wirtschaftselite in Davos. „Europa hat die Botschaft verstanden. Deutschland hat die Botschaft verstanden.“
Zwar hatten Merz und die EU am Mittwoch in Davos den Konflikt mit US-Präsident Donald Trump um Grönland beilegen können. Die EU und die Vereinigten Staaten einigten sich auf einen Deal, der den USA einen größeren Einfluss auf das zu Dänemark zugehörige Grönland zusichert.
Doch Merz ließ in seiner Rede keinen Zweifel daran, dass die Einigung mit Trump nichts an der neuen geopolitischen Lage ändert, in der Großmächte wie China, Russland und die USA versuchen, die Welt in Einflusssphären einzuteilen. „Eine neue Ära hat begonnen“, sagte der Kanzler. „Die internationale Ordnung der letzten drei Jahrzehnte – verankert im Völkerrecht – war nie perfekt. Heute sind ihre Grundfesten erschüttert.“
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