Economy

Volkswagen: VW hat überraschend viel Geld zur Verfügung – Aktie steigt

Volkswagen: Der Autobauer übertrifft bei einer Kennzahl die Erwartungen. Foto: REUTERS

Düsseldorf. Der Volkswagen-Konzern hat mehr Geld in der Kasse als angenommen – und gehört nun zu den Tagesgewinnern im Aktienleitindex Dax. Die Ad-hoc-Mitteilung aus Wolfsburg sorgte dafür, dass die VW-Vorzugsaktie am Donnerstagmorgen in der Spitze um sechs Prozent zulegte.

Volkswagen hat in seinem Kerngeschäft im Jahr 2025 einen Netto-Cashflow von rund sechs Milliarden Euro erwirtschaftet – eine Größenordnung, mit der weder das Unternehmen selbst noch der Markt gerechnet hatten. Die Nettoliquidität stieg dadurch zum Jahresende auf mehr als 34 Milliarden Euro. Auch diese Kennzahl liegt deutlich über dem zuletzt erwarteten Wert. Volkswagen war bislang von einem Netto-Cashflow „rund um die Nulllinie“ ausgegangen.

Der Netto-Cashflow gilt als harte Währung in Unternehmen und beschreibt, wie viel Geld nach Abzug aller Kosten inklusive Investitionen übrig bleibt. Für Anleger ist diese Zahl besonders relevant, weil sie zeigt, wie groß der finanzielle Spielraum für Umbau, Investitionen und Dividendenzahlungen tatsächlich ist.

Kursschub für Autobauer aus Davos

Zusätzlichen Schub erhielt die VW-Aktie am Donnerstag aus Davos. Beim dort stattfindenden Wirtschaftsforum nahm US-Präsident Donald Trump die angedrohten Vergeltungszölle wegen der Haltung mehrerer Länder zu Grönland zurück. Mit dem Generalsekretär des Verteidigungsbündnisses Nato erzielte er eine Vereinbarung, die Trump von seinen ursprünglichen Plänen abbrachte, Grönland zu annektieren. Die Arktisinsel ist autonomes Territorium des Königreichs Dänemark.

Für Deutschlands Autobauer, die schon heute hohe Aufschläge für Ausfuhren in die USA zahlen, hätten neue Zölle erhebliche Folgen gehabt: Statt 15 Prozent wären es 25 Prozent Abgaben geworden. Die Aktien von Porsche, BMW und Mercedes legten nach Börsenstart in Frankfurt daher alle um mehr als zwei Prozent zu; im Laufe des Vormittags schwächte sich das Plus teilweise etwas ab.

Trotz dieser positiven Nachrichten steckt Volkswagen in der schwersten Krise seit dem Dieselskandal und muss gleich mehrere Strukturprobleme auf einmal bewältigen. Neben hohen Kosten drücken die schwache Dynamik in China, ein teurer Strategieschwenk bei der Tochterfirma Porsche und politische Unsicherheiten die Performance. Der Cash-Effekt ist deshalb ein leises Signal: Der Konzern ist finanziell beweglicher, als viele Investoren zuletzt unterstellt hatten.

Vollständige Erklärung im März erwartet

Volkswagen erklärt den zusätzlichen Geldzufluss vor allem mit einem Abbau gebundenen Kapitals – etwa durch niedrigere Lagerbestände – und mit geringeren Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung. Die Investitionsquote lag nach vorläufigen Zahlen bei rund zwölf Prozent der Umsatzerlöse im Autogeschäft.

Volkswagen hatte zuletzt außerdem seine Investitionsplanung für die kommenden fünf Jahre schmaler ausfallen lassen und das Budget bis 2030 auf 160 Milliarden Euro abgesenkt. Viele Analysten halten das zwar noch immer für hoch, zugleich bedeutet es aber ein deutliches Abschmelzen gegenüber früheren Spitzenwerten von bis zu 180 Milliarden Euro.

Analysten bewerten dies positiv – sehen aber auch noch offene Fragen. Stephen Reitman von Bernstein etwa erkennt zwar einen deutlichen Aufwärtstrend beim Cashflow, fragt sich aber, welche Treiber genau hinter dem positiven Effekt im Working Capital stehen. Volkswagen selbst kündigte an, eine vollständige Erklärung bei der Bilanzvorlage am 10. März zu liefern.

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Der VW-Konzern erwartet für das abgelaufene Geschäftsjahr etwa einen gleichbleibenden Umsatz (2024: 325 Milliarden Euro) bei einer Ebit-Marge von zwei bis drei Prozent. Das entspräche einem operativen Ergebnis zwischen 6,5 und 9,5 Milliarden Euro. 2024 lag dieses bei gut 19 Milliarden Euro.

Mit Agenturmaterial.

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Originally published at Handelsblatt

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