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Somaliland: Israels Anerkennung schlägt Wellen in Afrika

Die Anerkennung Somalilands als unabhängiger Staat durch Israel am 26. Dezember 2025 hat am Horn von Afrika und in weiten Teilen des Kontinents Unmut hervorgerufen. Es folgten diplomatische Gegenreaktionen seitens Somalias, innerhalb der Afrikanischen Union (AU) zeigte man sich besorgt hinsichtlich der regionalen Stabilität und territorialen Integrität.

Somaliland, eine selbstverwaltete Region im Norden von Somalia, erklärte 1991 nach dem Zusammenbruch des Militärregimes des somalischen Machthabers Siad Barre seine Unabhängigkeit.

Ende der 1980er-Jahre wurden Zehntausende Menschen getötet, als Barres Truppen Rebellengruppen in dem Gebiet verfolgten. Viele Menschen in Somaliland argumentieren, die Union mit Somalia sei unrechtmäßig gewesen und gescheitert. Das befeuert seit jeher die Forderungen nach Selbstverwaltung und einem separaten, stabilen Staat.

Somaliland wurde international nie anerkannt, obwohl es eine eigene Regierung und Währung besitzt und eigene Sicherheitskräfte unterhält. “Mogadischu hat zwar eine gewisse Autonomie zugelassen, aber dem Gebiet nicht gestattet, sich vom Rest des Landes abzuspalten”, sagt der Sicherheits- und Geopolitik-Analyst Fidel Amakye Owusu gegenüber der DW.

Owusu bezeichnet Israels Schritt als “kalkulierte geopolitische Entscheidung”. Er argumentiert, Israel sehe einen Stützpunkt am Horn von Afrika als vorteilhaft für seine langfristigen Sicherheitsinteressen in einer Region, die in der Nähe wichtiger Seewege liegt und von anhaltenden Sicherheitsbedrohungen geprägt ist. 

Die Ankündigung Israels folgte auf ein umstrittenes Abkommen zwischen Äthiopien und Somaliland vom Januar 2024. Laut der Vereinbarung wurde Äthiopien im Gegenzug für eine mögliche Anerkennung der Zugang zum Roten Meer über einen Hafen und einen Marinestützpunkt angeboten. Das Abkommen wurde später neu verhandelt, nachdem es in Somalia auf starken Widerstand gestoßen war.

“Der jüngste Versuch Israels, Somaliland anzuerkennen, macht die Angelegenheit kompliziert”, sagte Owusu. “Er berührt nicht nur die Beziehungen zwischen Somaliland, Somalia und Israel, sondern auch die regionale Politik oder Geopolitik, an der Ägypten, Äthiopien und Somalia beteiligt sind.”

Zurückhaltende Reaktionen aus der Region

Bislang haben viele Nachbarländer Somalilands zurückhaltend reagiert oder geschwiegen. Von Äthiopien, das seit Langem enge Beziehungen zu Israel unterhält, erwartet Owusu gar keine offene Verurteilung des Schritts. “Für Äthiopien wird es immer diese strategische Zweideutigkeit geben – weder verurteilen noch gutheißen”, so der Analyst.

Kenia und die Afrikanische Union sehen die Entscheidung jedoch als unvereinbar mit der langjährigen Weigerung Afrikas, abtrünnige Gebiete anzuerkennen. “Afrika will nicht, dass ein Gebiet, das es nicht anerkennt, von einem anderen anerkannt wird”, sagt Owusu. Konkret weist er auf die Verbundenheit Ägyptens mit Somalia hin: Kairo werde sich israelischen Maßnahmen widersetzen, die das von ihm als “Bruderland” bezeichnete Land beträfen.

Proteste und politische Folgen

DW-Korrespondent Mohammed Kahiye in Mogadischu berichtete nach der Ankündigung Israels von Protesten in ganz Somalia. In Mogadischu und anderen Regionen fanden Demonstrationen statt, darunter auch in Gebieten, die von Somaliland beansprucht werden, aber nicht unter seiner Kontrolle stehen. Wirtschaftsführer, religiöse Persönlichkeiten, Studenten und Politiker lehnten diesen Schritt einhellig ab. 

Im Gegensatz dazu gingen die Menschen in Somaliland auf die Straße, um zu feiern, und begrüßten die Anerkennung als Durchbruch nach Jahrzehnten diplomatischer Isolation.

“Die Bundesregierung Somalias unter Präsident Hassan Sheikh Mohamud hat von Anfang an sowohl verbal als auch durch Taten deutlich gemacht, dass sie die Anerkennung Somalilands als unabhängigen Staat nicht akzeptiert und dies als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Somalias betrachtet”, sagt Kahiye.

Somalia und seine Verbündeten sehen diesen Schritt als Bedrohung für die nationale Sicherheit, während die Afrikanische Union und mehrere ostafrikanische Länder ihre Ablehnung signalisiert haben. Mogadischu verfolgt weiterhin diplomatische Wege, um Israels Entscheidung entgegenzuwirken.

Weitreichende Auswirkungen auf Afrika

Owusu warnt, dass die Anerkennung separatistische Bewegungen in ganz Afrika ermutigen könnte, darunter in der Westsahara, im Senegal, in Nigeria, in der Demokratischen Republik Kongo und im Sudan: “Wenn dies zugelassen wird, wird sich die Afrikanische Union, die seit Jahrzehnten für die Einheit Afrikas kämpft, durch die Zunahme von Staaten bedroht fühlen.”

Er fordert die afrikanischen Staats- und Regierungschefs auf, der Diplomatie Vorrang einzuräumen. “Wir sollten uns lieber um diplomatische Lösungen bemühen.” Viele Somalier fordern einen Dialog. Die Befürchtung ist groß, dass einseitige Entscheidungen eine ohnehin schon fragile Region weiter destabilisieren könnten.

Originally published at Deutsche Welle

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