Erst vor wenigen Tagen hatte die US-Regierung offiziell ihren Austritt aus der Weltgesundheitsbehörde (WHO) erklärt. Nun reagiert die UN-Behörde auf den Schritt mit deutlichen Worten. “Leider sind die Gründe, die für die Entscheidung der USA, aus der WHO auszutreten, angeführt werden, unwahr”, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus im Onlinedienst X.
Die Entscheidung Washingtons, sich aus der UN-Gesundheitsbehörde zurückzuziehen, mache “sowohl die USA als auch die Welt weniger sicher”, betonte Tedros. Die WHO habe “stets mit den USA und allen Mitgliedstaaten zusammengearbeitet und dabei deren Souveränität uneingeschränkt respektiert”.
US-Außenminister Marco Rubio und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hatten in einer gemeinsamen Erklärung bekannt gegeben, dass das Land offiziell aus der WHO ausgetreten sei. Sie warfen der Organisation zahlreiche Versäumnisse während der Corona-Pandemie vor und beschuldigten sie, wiederholt gegen die Interessen der USA gehandelt zu haben.
Rubio und Kennedy Jr. argumentierten, die WHO habe die USA “in Verruf gebracht und beschmutzt” und ihre Unabhängigkeit gefährdet. “Das Gegenteil ist wahr”, erklärte nun Tedros. Wie sie es mit jedem Mitgliedsstaat tue, habe die WHO stets versucht, “mit den Vereinigten Staaten in gutem Vertrauen zusammenzuarbeiten.”
Der Impfgegner Kennedy Jr. hatte in einem am Freitag bei X veröffentlichten Video die WHO dafür verantwortlich gemacht, dass Menschen während der Corona-Pandemie “allein in Pflegeheimen starben” und dass kleine Unternehmen “durch rücksichtslose Vorschriften” wie etwa das Tragen von Masken oder Impfungen zerstört worden seien.
Tedros kritisierte, die Erklärung des Ministers enthalte “falsche Informationen”. Die WHO habe die Verwendung von Masken, Impfstoffen und Abstandsregeln, nicht jedoch “eine Maskenpflicht, Impfpflicht oder Lockdowns” empfohlen. Die WHO habe Regierungen dabei unterstützt, Entscheidungen zu treffen, doch die Entscheidungen hätten letztendlich die Regierungen getroffen.
US-Gesundheitsminister Kennedy Jr. kritisierte die WHO massiv.
Auch den Vorwurf der USA, die WHO habe in der Corona-Pandemie die zeitnahe und genaue Weitergabe wichtiger Informationen behindert, weist die UN-Behörde zurück. Sie habe 2020 schon früh im Januar Regierungen auf allen Kanälen über die ungewöhnlichen Krankheitsfälle in China informiert und aufgefordert, Vorkehrungen zu treffen. Sie habe am 30. Januar eine Notlage internationaler Tragweite – die höchste Alarmstufe – ausgerufen, als es außerhalb Chinas noch weniger als 100 Corona-Fälle und keinen Todesfall gab.
US-Präsident Donald Trump hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr den Rückzug seines Landes aus der WHO angeordnet. Der Austrittsprozess wurde am Donnerstag abgeschlossen. Die WHO hat allerdings noch nicht bestätigt, dass der Austritt wirksam geworden ist.
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | WHO zu USA-Austritt: Gründe sind “unwahr” | 25.01.2026 | 10:23 Uhr
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