Economy

Fondsgeschäft: Aktionäre feiern Rekordübernahme der Deutschen Börse

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: Die Aktie des Unternehmens hat zuletzt stark nachgegeben. Foto: Reuters

Frankfurt. Die Deutsche Börse kommt bei der geplanten Übernahme der Fondsplattform Allfunds voran und erfreut damit ihre Anteilseigner. Nach der Einigung mit der spanisch-britischen Firma auf die Details des 5,3 Milliarden Euro schweren Zukaufs legten die Papiere von Deutschlands größtem Börsenbetreiber am Donnerstag gut drei Prozent zu.

Für Vorstandschef Stephan Leithner ist dies nach mehreren Monaten mit starken Kursrückgängen ein positives Signal. Seit ihrem Rekordhoch von 293 Euro im Mai 2025 ist die Deutsche-Börse-Aktie schließlich um rund ein Viertel eingebrochen.

Beide Unternehmen hatten bereits im November verkündet, dass sie über eine Übernahme verhandeln, bei der die Börse 8,80 Euro je Allfunds-Aktie bietet. Ursprünglich wollte der Konzern aus Eschborn bei Frankfurt davon nur 4,40 Euro in bar bezahlen und den Rest in Form von eigenen Aktien und einer Dividende.

Nun haben sich beide Seiten jedoch darauf verständigt, dass der in Hessen ansässige Konzern sechs Euro je Aktie in bar bezahlen wird, nur 2,60 Euro in Deutsche-Börse-Aktien sowie 20 Cent als Dividende. Das geht aus dem Übernahmeangebot hervor, das die Börse am Mittwochabend vorlegte.

Da der Deal, es wäre der bisher größte der Deutschen Börse, von verschiedenen Behörden genehmigt werden muss, rechnen die Unternehmen mit einem Vollzug der Transaktion erst in der ersten Jahreshälfte 2027.

Was machen die Wettbewerbshüter?

Die größte Hürde ist die Prüfung durch die EU-Wettbewerbskommission. Manche Analysten beziffern die Chance, dass die Übernahme dort durchgeht, lediglich auf 50 Prozent. Neben den Regulatoren müssen auch die Allfunds-Aktionäre in einem Übernahmeprozess nach britischem Recht grünes Licht geben.

Dafür muss bei einem Aktionärstreffen im März 2026 die Mehrheit der Anteilseigner, die mindestens 75 Prozent des Kapitals vertreten, zustimmen. Gelingt dies, müssen auch alle anderen Aktionäre ihre Anteile an die Deutsche Börse abtreten.

Die drei größten Aktionäre, die zusammen 48,9 Prozent an Allfunds halten, haben bereits unwiderrufliche Verpflichtungserklärungen abgegeben, für die Übernahme zu stimmen. Dabei handelt es sich um den Finanzinvestor Hellman & Friedman, den Staatsfonds GIC aus Singapur und die französische Großbank BNP Paribas.

Das operative Geschäft von Allfunds wird aus Spanien gesteuert, die Dachgesellschaft ist jedoch in Großbritannien angesiedelt. Die Firma ist in Italien, Spanien und Frankreich stark vertreten, aber auch in Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten aktiv.

Die Deutsche Börse hat im Fondsgeschäft dagegen einen Fokus auf Deutschland und der Schweiz. Beide Unternehmen würden sich damit gut ergänzen. Die Börse erwartet, dass sie bei einem Zusammenschluss Kostensynergien von 60 Millionen Euro erzielen kann. Zudem peilt sie Einsparungen von 30 Millionen Euro an, weil die Firmen Investitionen dann gemeinsam tätigen könnten.

Wäre die Übernahme gut für Europa?

Darüber hinaus argumentiert die Deutsche Börse, die Übernahme stehe im Einklang mit Interessen Europas und den Plänen für eine Spar- und Investmentunion. „Sie stärkt die Nachfrageseite der Kapitalmärkte, indem sie Endanleger auf effiziente und einfache Weise näher an Investmentfondsprodukte heranführt und eine größere Auswahl an Produkten ermöglicht“, erklärte das Unternehmen.

Analyst Ian White von Autonomous findet die Argumentation nachvollziehbar, weist aber auch auf mögliche Nachteile hin. „Die Bündelung des europäischen Fondsvertriebs auf eine einzige oder wenige große Plattformen kann ein sinnvoller Schritt sein“, sagt er dem Handelsblatt. Er könne den Wettbewerb zwischen Fondsgesellschaften fördern und die Kosten und den administrativen Aufwand im Vertrieb senken.

„Allerdings bewegt sich diese Entwicklung klar in Richtung einer marktbeherrschenden Stellung“, sagt White. „Die EU‑Kommission dürfte das sehr genau unter die Lupe nehmen.“ Die Wettbewerbshüter haben bereits Zusammenschlüsse der Deutschen Börse mit der New Yorker Börse und der Londoner Börse untersagt.

Börsen-Finanzchef Jens Schulte ist nach „umfangreichen kartellrechtlichen Vorarbeiten“ jedoch zuversichtlich, dass die EU dieses Mal kein Veto einlegen wird. „Sie können davon ausgehen, dass wir diese Transaktion nicht eingegangen wären, wenn wir nicht überzeugt wären, dass die Wahrscheinlichkeit eines Durchkommens deutlich über 50 Prozent liegt“, sagte er Ende vergangenen Jahres.

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Die Allfunds-Aktie legte am Donnerstag zwar um rund vier Prozent zu, lag mit 8,27 Euro aber immer noch deutlich unter dem Angebotspreis von 8,80 Euro. Das zeigt, dass es an den Märkten nach wie vor Zweifel gibt, ob die Übernahme am Ende tatsächlich zustande kommt.

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Originally published at Handelsblatt

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