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Studie: Dauerhaftes Single-Sein belastet

Zwar wird das unabhängige Single-Leben auf Social Media gefeiert, Hashtags wie #singlebychoice trenden. Trotzdem schadet ein dauerhaftes Single-Dasein offenbar dem Wohlbefinden junger Erwachsener.

“Die Langzeit-Singles sind im Durchschnitt weniger zufrieden mit ihrem Leben”, fasst Psychologe Michael Krämer von der Universität Zürich eine kürzlich erschienene Studie zusammen. Wer im Alter zwischen 16 und 29 Jahren jahrelang oder sogar dauerhaft Single bleibt, verliert zunehmend an Lebenszufriedenheit, fühlt sich einsamer und auch depressiver.

Für die Studie der Universität Zürich wurden am Psychologischen Institut die Datensätze von 17.000 jungen Erwachsenen zusammengefasst und ausgewertet. Die Studiendaten stammten aus Befragungen für großangelegte Haushaltsstudien in England und Deutschland aus dem Zeitraum zwischen 1996 bis 2022.

Eine wichtige Quelle für die Forschenden war das sozioökonomische Panel, das jährlich Befragungen durchführt. Damit konnten die Psychologen Befragungsergebnisse von Singles über Jahre hinweg auswerten. Gleichzeitig verfolgten sie die Werte der Vergleichsgruppe: von Menschen, die eine Partnerschaft eingingen.

Die Langzeitanalyse ermöglichte den Forschenden einen direkten Vergleich des Lebensgefühls. Sie stellten keine Geschlechterunterschiede fest: Männer wie Frauen fühlten sich als langjährige Singles zunehmend einsam und wurden bereits nach zwei Jahren unzufriedener als Gleichaltrige, die bereits in einer Partnerschaft waren.

Dieser Effekt zeigte sich ab Mitte Zwanzig auch bei der Depressivität. Darunter versteht diese Studie keine klinisch relevante Depression, die eine psychologische Diagnose erfordert, sondern beispielsweise eine Stimmungslage der Niedergeschlagenheit und Energielosigkeit.

Laut Studienautor Krämer ein überraschendes Ergebnis, immerhin erlebe auch die Vergleichsgruppe emotionale Belastungen. Aber offenbar wirkten sich Beziehungskrisen oder Trennungen weniger nachhaltig auf die Stimmungslage der Befragten aus. “Ich interpretiere das so, dass, wenn das Single-Dasein wirklich fast zehn Jahre anhält, eine verschärfte Stufe erreicht wird.”

Ein weiteres Ergebnis: Das momentane Wohlbefinden sei ein Faktor, der eine Vorhersage darüber zulässt, wie lange die Befragten künftig allein bleiben werden. Psychologe Krämer erläutert: “Wenn ich momentan eher unzufrieden bin mit meinem Leben oder mich eher einsam fühle, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, noch länger Single zu bleiben.”

Einen Grund sieht der Forscher darin, dass zufriedene Menschen generell eine positivere Ausstrahlung auf ihre Mitmenschen haben und zum Beispiel beim Dating attraktiver wirken. Trotzdem lasse sich kein direkter Teufelskreis aus den Daten für unglückliche Singles ableiten.

Bei den Ergebnissen handelt es sich um Durchschnittswerte, die eine allgemeine Tendenz oder Wahrscheinlichkeit zeigen. Einzelne Menschen können zwar auch ohne feste Partnerschaft zufrieden sein. Allerdings zeigt die Statistik: Wenn junge Menschen zwischen 16 bis 29 Jahren noch nie eine feste Beziehung hatten, summierten sich belastende Gefühle.

Laut Studie gehen speziell junge Männer und Personen mit höherem Bildungsgrad eher spät eine Partnerschaft ein. Einen Grund dafür sieht Psychologe Krämer in gesellschaftlichen Normen: “Diese Personen sind bis Mitte Zwanzig noch wirtschaftlich abhängig.”

Wer ohne eigenes Einkommen oder eine berufliche Karriere zudem noch im Elternhaus oder in einer kleinen Studentenwohnung lebt, dem fehlen der soziale Status und womöglich auch andere Kriterien, die beim Dating über die Partnerwahl entscheiden. Für Langzeitsingles wird es zudem schwieriger, überhaupt die erste Partnerschaft einzugehen, weil in ihrem Umfeld bereits viele in Beziehungen leben. Sie empfinden auch ein gesellschaftliches Stigma stärker.

Abschließend untersuchte das Forschungsteam, welchen Einfluss die erste romantische Beziehung auf das Befinden hat und fand dabei heraus: Sobald junge Erwachsene ihre erste Partnerschaft eingingen, verbesserte sich ihr Wohlbefinden wieder und das sogar in mehreren Bereichen: Sie wurden zufriedener und fühlten sich weniger einsam – sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Dieses Thema im Programm: Bayern 2 I Die Welt am Abend I 22.01.2026 I 17:04 Uhr

Originally published at Tagesschau

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